Hochwasserschutz und Längsvernetzung an der Zulg

Projektdaten auf einen Blick


Technische Eckdaten und Rahmenbedingungen des Bauvorhabens

StatusFertigstellung: August 2024
Bauzeit (exkl. Betonbau)18 Tage
StandortZulg, Steffisburg (CH)
GewässerregionForelle
BautypTyp 1819 C 1,50
Beckenanzahl17 Stück
Fallhöhe2,80 m
BesonderheitStark schwankende Abflüsse • Saisonal hoher Geschwemmsel- und Sedimenteintrag • Modifizierte Strömungsführung im Richtungswechsel
ZielHochwasserschutz & Längsvernetzung

Ausgangslage und Projektziel

Durchgängigkeit unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen
Der Mäander®-Fischpass in Steffisburg gliederte sich in ein umfassendes Maßnahmenpaket an der Zulg ein. Im Zusammenhang mit dem Projekt Hochwasserschutz und Längsvernetzung Zulg musste die Müllerschwelle zu Gunsten der Hochwassersicherheit um rund zwei Meter abgesenkt werden. Als Folge galt es die kompletten Einrichtungen im Bereich des vorhandenen Sandfangs und der Einleitung in den kulturhistorisch wichtigen Mühlebach neu zu denken.

Die Anlage wurde umfassend erneuert, einschließlich des kompletten Sandfangs, eines wasserbetriebenen Schöpfrads zur Beschickung des Mühlebachs sowie eines technisch ausgelegten Fischpasses. Zentrales Ziel war dabei, die bislang vollständig wanderungshemmende Müllerschwelle so zu ertüchtigen, dass eine funktionale Fischpassierbarkeit für schwimmstarke und -schwache Fische, wie Bachforellen und Groppen, an mindestens 300 Tagen pro Jahr gewährleistet wird. Die Projektierung erfolgte mit den Fachplanern Mätzener & Wyss Bauingenieure AG und IUB Engineering AG.

Technische Konzeption

Kompakte Bauweise für hydraulische Stabilität und maximale Wirksamkeit
Der kompakte Mäander®‑Fischpass ist so gestaltet, dass er ein stabiles und funktionssicheres Regime bei wechselnden Wasserständen gewährleistet. Die Bauform vom Typ C eignet sich insb. für hohe Gefälle. Die Dotation kann über verstellbare Schlitzpforten präzise reguliert werden. Weitere charakteristische Merkmale sind:

  • kreisförmige Beckengestaltung mit mäandrierender Leitströmung im Randbereich
  • strömungsberuhigte Beckenzentren als Ruhezonen
  • technischer Sohlenaufbau zur Unterstützung schwimmschwacher Fische
  • robuster Materialmix gegen Hochwasserereignisse

Diese Bauweise erlaubt eine gleichmäßige Energieumwandlung, reduziert schädliche Turbulenzen und gewährleistet eine sichere Passage für Bachforellen, Groppen und juvenile Fische.


Einblicke in Planung und Bau

Bilder, Visualisierungen und Impressionen vom Projektstandort


Hochwasserschutz und Betriebssicherheit

Fischaufstieg ohne Kompromisse beim Hochwasserschutz
Die technische Auslegung des Mäander®‑Fischpasses war untrennbar mit der Gesamtgestaltung der Müllerschwelle verknüpft, da sowohl bei Niedrigwasser als auch bei Extremabflüssen die Funktionssicherheit gewährleistet werden muss. Hierfür ist eine kontinuierliche Betriebswassermenge sicherzustellen, was ohne technische Anlagen kaum realisierbar gewesen wäre. Die Konzeption berücksichtigt:

  • stark variierende Abflüsse
  • saisonalen Eintrag von Schwimmholz und Sediment
  • selbstreinigende Strömungsführung im Fischpass (Freispüleffekt)

Der Mäander®-Fischpass bleibt dadurch auch bei Hochwasserereignissen durchströmbar, ohne den Abflussquerschnitt einzuengen oder zusätzliche Wartungsmaßnahmen zu erfordern.

Hydraulische Optimierung und Simulation

Strömungsführung wissenschaftlich abgesichert
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Richtungswechsel im Anlagenverlauf, da hier potenziell ungünstige Strömungszonen entstehen können. Die optimale Geometrie für die praktische Gestaltung wurde mittels 3D-hydronumerischer Simulation in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden ermittelt. Die Simulation zeigte:

  • stabile Strömungsbedingungen über alle Becken
  • eine optimale Strömungsführung im herausfordernden Übergangsbecken
  • geringe Turbulenzen im gesamten Wasserkörper

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse bedienten maßgeblich die Umsetzung. Die technische Beurteilung der Anlage bestätigt die Einhaltung ökologischer als auch hydraulischer Anforderungen und Randbedingungen aus dem Regelwerk DWA-M 509 und der Schweizer Gewässerschutzgesetzgebung.

Ergebnis & Einordnung

Ein Referenzprojekt für alpinen Hochwasserschutz mit Mehrwert
Das Projekt Steffisburg zeigt exemplarisch, wie ökologischer Wasserbau, Hochwasserschutz und technische Präzision erfolgreich miteinander kombiniert werden können. Der Mäander®-Fischpass an der Zulg zeichnet sich durch eine hohe Funktionssicherheit, einen minimalen Flächenbedarf sowie eine langfristige ökologische Wirkung aus. Damit dient die Anlage als Referenzprojekt für alpinen Hochwasserschutz mit Mehrwert und als Vorbild für vergleichbare Maßnahmen in dynamischen Fließgewässern.

Technologie verstehen

Der Mäander®-Fischpass basiert auf einer ethohydraulischen Bauweise, die natürliche Strömungsprinzipien gezielt technisch nutzbar macht. Erfahren Sie, wie die Technologie funktioniert, welche hydraulischen Besonderheiten sie auszeichnen und warum sie sich als Alternative zu konventionellen Fischpässen bewährt hat.

Weitere Projekte entdecken

Jedes Gewässer stellt eigene Anforderungen an Fischgängigkeit, Hochwasserschutz und bauliche Integration. Entdecken Sie weitere realisierte Projekte von Peters Ökofisch und erfahren Sie, wie sich der Mäander®-Fischpass an unterschiedliche Rahmenbedingungen anpassen lässt.

REFERENZEN & PUBLIKATIONEN ANSEHEN

Die Wirksamkeit unserer Anlagen ist durch Fachpublikationen, wissenschaftliche Untersuchungen und unabhängige Erfolgskontrollen dokumentiert. Hier finden Sie Studien, Medienberichte und Downloadmaterial rund um den Mäander®-Fischpass und den ökologischen Wasserbau.

Fische retten, Vielfalt bewahren

Ob Sanierung, Neugestaltung oder Optimierung – wir entwickeln Fischtreppen und ganzheitliche Lösungen im Wasserbau, die ökologische und technische Anforderungen vereinen. Sprechen Sie uns an, wenn Sie mehr über unsere Lösungen erfahren oder ein Projekt mit uns umsetzen möchten.